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Riechsalz Ratgeber

Riechsalz und Sicherheit: Risiken, Grenzen und klare Regeln

Athlet mit SBD-Gewichthebergürtel über der Schulter im schwarzen Azan Strength Zip-Hoodie im Gym
Ammoniak ist ein Reizstoff. Die Regeln auf dieser Seite sind keine Formalie.

Riechsalz ist kein Duftprodukt und kein Nahrungsergänzungsmittel. Es ist ein Ammoniak-Impuls, der über die Schleimhäute einen Reflex auslöst. Genau deshalb gehört zu einer ehrlichen Produktseite auch das, was dagegen spricht. Diese Seite sammelt, was die Fachliteratur zu Risiken sagt, wer die Finger davon lassen sollte und in welchen Situationen der Griff zur Dose gefährlich wird. Sie ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn du unsicher bist, frag deinen Arzt, bevor du sie aufmachst.

Die kurze Fassung

  • Nicht für Kinder und Jugendliche. Riechsalz ist ein Produkt für Erwachsene ab 18 Jahren.
  • Nicht in Schwangerschaft und Stillzeit.
  • Nicht bei Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen ohne ärztlichen Rat.
  • Niemals nach einem Schlag oder Sturz auf den Kopf.
  • Niemals, um eine bewusstlose Person zu wecken.
  • Niemals wiederholt oder über längere Zeit einatmen.

Was beim Einatmen tatsächlich passiert

Der Wirkweg ist mechanisch, nicht pharmakologisch. McCrory beschreibt im British Journal of Sports Medicine bereits 2006, dass freigesetztes Ammoniakgas die Schleimhäute von Nase und Lunge reizt und dadurch einen Inhalationsreflex auslöst. Was du spürst, ist also eine Reflexantwort auf einen Reiz und kein Wirkstoff, der in dein Nervensystem eingreift. Eine Übersichtsarbeit im Fachjournal Sports Health beschreibt 2024 zusätzlich eine Erweiterung der Hirngefäße und einen Anstieg der Herzfrequenz, während der Blutdruck unverändert bleibt. Wie der Reiz entsteht, erklären wir ausführlich unter was Riechsalz ist und wie es wirkt.

Reizung von Augen, Haut und Atemwegen

Das National Capital Poison Center benennt die Risiken nüchtern: Ammoniak reizt Augen, Haut und Lunge und kann auf feuchtem Gewebe verätzen, weil es dort chemisch reagiert. Feuchtes Gewebe hast du überall, wo Riechsalz hinkommen kann, in der Nase, an den Augen, an verschwitzten Händen. Daraus folgen ein paar sehr konkrete Regeln.

  • Halte die Dose 10 bis 15 Zentimeter vor die Nase, nicht direkt daran. Diesen Abstand nennt McCrory 2006 als korrekte Anwendung.
  • Ein kurzer Zug reicht. Nicht tief einatmen, nicht mehrfach nachziehen.
  • Kein Kontakt mit den Augen. Halte die Dose unterhalb der Augenhöhe und beuge dich nicht darüber.
  • Kein Kontakt mit der Haut. Fass nicht in das Salz und wasch dir nach dem Umgang die Hände.
  • Dose nach dem Gebrauch sofort wieder verschließen.
  • Halte sie niemandem ins Gesicht, auch nicht als Spaß. Der Reiz trifft Augen und Atemwege.

Kennzeichnung und Aufbewahrung

Riechsalz ist ein Chemieprodukt und wird auch so gekennzeichnet. Signalwort, Gefahrenpiktogramm sowie die gesetzlich vorgeschriebenen H- und P-Sätze stehen auf dem Etikett der Dose und in den Angaben zum jeweiligen Artikel im Shop. Lies sie, bevor du die Dose zum ersten Mal öffnest, und richte dich im Zweifel nach ihnen und nicht nach dem, was im Internet über Riechsalz erzählt wird.

Zur Aufbewahrung: verschlossen halten, außerhalb der Reichweite von Kindern lagern, nicht offen herumstehen lassen. Unsere 50 g Dosen werden erst von dir selbst aktiviert. Bis dahin bleibt der Inhalt ungeöffnet, und auch eine noch nicht aktivierte Dose gehört nicht in Kinderhände.

Für wen Riechsalz nicht in Frage kommt

Menschen mit Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen sollten Riechsalz nach Einschätzung des National Capital Poison Center meiden. Ein Stoff, der die Schleimhäute der Atemwege reizt, ist bei vorgeschädigten Atemwegen keine gute Idee. Wenn du trotzdem darüber nachdenkst, klär das vorher ärztlich ab und nicht danach.

Unabhängig davon gilt bei uns eine einfache Hausregel. Sie ist unsere Produktpolitik und keine Aussage aus einer Studie: Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren gehören nicht zur Zielgruppe. In Schwangerschaft und Stillzeit nicht anwenden. Wer eine Herz- oder Kreislauferkrankung hat, spricht vorher mit dem Arzt. Dasselbe gilt für jede laufende Behandlung, bei der du dir nicht sicher bist. Erst fragen, dann entscheiden.

Niemals bei Kopfverletzungen oder Verdacht auf Gehirnerschütterung

Das ist der wichtigste Punkt auf dieser Seite, und er ist in der Literatur eindeutig. Die Übersichtsarbeit in Sports Health kommt 2024 zu dem Schluss, dass Riechsalz in der Versorgung von Kopfverletzungen keinen Platz hat und Symptome einer Gehirnerschütterung überdecken kann. McCrory hält schon 2006 im British Journal of Sports Medicine fest, dass ein Nutzen bei Gehirnerschütterung unwahrscheinlich ist und die eigentliche Gefahr darin liegt, die ärztliche Beurteilung zu verzögern.

Übersetzt in die Halle: Wenn jemand nach einem Sturz, einem abgerutschten Gewicht oder einem Schlag benommen wirkt, ist Riechsalz das Gegenteil von Hilfe. Es kann einen Athleten kurzzeitig klarer wirken lassen und damit die Entscheidung verschieben, die eigentlich sofort fällig ist. Aus demselben Grund ist es kein Erste-Hilfe-Mittel bei Bewusstlosigkeit, Ohnmacht oder Schwindel. In diesen Fällen gilt: Notruf, Erste Hilfe, ärztliche Abklärung. Die Dose bleibt zu.

Wiederholtes und langes Inhalieren ist ernsthaft gefährlich

Riechsalz verträgt keine Gewohnheit. Das National Capital Poison Center weist darauf hin, dass längeres oder wiederholtes Inhalieren ein ernstes Risiko darstellt, und dokumentiert den Tod eines 14-Jährigen nach wiederholtem Einatmen. Die US-Behörde FDA hat 2023 vor Produkten gewarnt, die mit Energie und Wachheit beworben werden. Ein einzelner kurzer Impuls ist etwas völlig anderes als eine Dose, die zwischen allen Sätzen kreist. Wenn du merkst, dass du sie ständig brauchst, ist das kein Grund für mehr Riechsalz, sondern ein Hinweis auf Schlaf, Erholung oder Vorbereitung.

Was Riechsalz nicht leistet

Ehrlichkeit gehört zur Sicherheit. Das National Capital Poison Center hält fest, dass für Riechsalz nicht belegt ist, dass es Energie steigert, Müdigkeit verhindert oder Wachheit fördert. Eine Studie im European Journal of Sport Science zeigt 2022, dass Erregung und die subjektiv wahrgenommene Leistung nach dem Ammoniak-Impuls steigen, die gemessene neuromuskuläre Leistung aber nicht. Sports Health beschreibt 2024 einen Vorteil nur bei wiederholten hochintensiven Belastungen und keinen bei einem einzelnen maximalen Versuch. Riechsalz macht dich also nicht stärker, und ein Wachheits- oder Energieeffekt ist nicht belegt. Es setzt einen Reiz, und was du daraus machst, ist deine Sache. Wer dir mehr verspricht, verkauft dir etwas, das die Daten nicht hergeben.

Wenn du es benutzt, dann so

Erwachsen, gesund, ohne Atemwegserkrankung. Abstand halten, ein kurzer Zug, Dose zu. Nicht bei Kopfverletzungen, nicht bei Bewusstlosigkeit, nicht mehrfach hintereinander. Unsere Dosen gibt es in drei Stärken, jeweils 50 g und in Deutschland hergestellt, zum Beispiel SKULLCRUSH in Stärke 2 von 5. Das komplette Sortiment findest du in der Riechsalz Kollektion, weitere Antworten in unseren häufigen Fragen. Und im Zweifel gilt der Satz, der auf dieser Seite mehrfach steht: sprich mit deinem Arzt.

Quellen

  • Bender JM, Popkin CA. "Ammonia Inhalants: Use, Misuse, and Role in Sports Performance." Sports Health, 2024, 16(5), 706-710. doi:10.1177/19417381231217341
  • Campbell AK, Williamson CE, Macgregor LJ, Hamilton DL. "Elevated arousal following acute ammonia inhalation is not associated with increased neuromuscular performance." European Journal of Sport Science, 2022, 22(9), 1391-1400. doi:10.1080/17461391.2021.1953150
  • McCrory P. "Smelling salts." British Journal of Sports Medicine, 2006, 40(8), 659-660. PMCID: PMC2579444
  • National Capital Poison Center (Poison Control). "Are smelling salts bad for you?" poison.org